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Finanzmärkte: Kaum mehr Cash für Italiens Banken

Italien leidet unter den höchsten Zinssätzen seit Einführung der Gemeinschaftswährung Euro, was negative Auswirkungen auf die Befindlichkeit des europäischen Finanzsystems zur Folge hat. Immer mehr Kreditgeber werden dazu gezwungen, sich über die Aufnahme rekordhoher Kapitalbeträge direkt bei der EZB zu refinanzieren. Allein italienische Banken liehen sich Ende Oktober 111,3 Milliarden bei der EZB im Vergleich mit 104,7 Milliarden Euro im gesamten Monat September und lediglich 41,3 Milliarden im Juni, wie Daten der Bank von Italien zeigen.

Italien ist im Visier der Bondmärkte und könnte die Eurozone zu Fall bringen

Die fünf größten Kreditgeber des Landes – UniCredit, Intesa Sanpaolo, Banca Monte dei Paschi di Siena, Banco Popolare und UBI Banca – vereinten im Monat September zusammen rund 61 Prozent aller bei der EZB geliehenen Kapitalbeträge auf sich. Im Vergleich mit dem Monat Januar haben sich die direkten Ausleihungen dieser fünf Großbanken nahezu verdoppelt. Nachdem die Bondmärkte bereits Griechenland, Irland und Portugal für ihre stark steigenden Verschuldungsniveaus abgestraft haben, gerät mit Italien nun die drittgrößte Ökonomie der Eurozone ins Visier der Investoren. Zuletzt kletterten die Zinsen auf Italiens ausstehende Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren auf über 7 Prozent, während sich das Land im kommenden Jahr mit $120 Milliarden an den globalen Finanzmärkten refinanzieren muss. Italiens finanzielle Außenstände in Höhe von etwa $2 Billionen übertreffen diejenigen Griechenlands, Irlands, Portugals und Spaniens.

Problematisch für die Banken, die Italiens Staatsanleihen in ihren Portfolios halten, erweist sich, dass die sinkenden Bondkurse den Wert der festverzinslichen Papiere reduzieren. Der sinkende Wert italienischer Bonds hat zur Folge, dass die Institute nicht mehr über ausreichend Gegenwerte in ihren Portfolios verfügen, die sie für die Aufnahme frischer Kredite hinterlegen könnten. Die Bondzinsen auf 10-jährige Staatsanleihen kletterten auf rund 7,48 Prozent, dem höchsten Niveau seit mehr als 15 Jahren. Als es im Falle Griechenlands, Irlands und Portugals zu einer ähnlichen Entwicklung kam mussten alle drei Länder die Europäische Union und den IWF um einen Bailout ersuchen, weil sie sich nicht mehr autonom an den Finanzmärkten refinanzieren konnten. Das Finanzdrama, das sich an Europas Peripherie abspielt, droht nun auch immer stärker überzugreifen auf reiche Wirtschaftsnationen wie Deutschland oder Frankreich. Frankreichs Credit-default Swaps kletterten gegen Ende der letzten Woche auf ein Rekordniveau von 203 Basispunkten (2,03 Prozent), wie aus Daten von CMA Data Vision hervorgeht. Der Markit iTraxx SovX Western Europe Index, der insgesamt die Performance von 15 europäischen Staatsregierungen abbildet, notierte zuletzt bei 336 Basispunkten (3,36 Prozent) verglichen mit dem am 23. September erreichten Allzeithoch von 358 Punkten.